Diese Frage stellt man sich schon, wenn man das Rauschen im Riesaer Blätterwald seit vergangenem Montag (19.07.2010) für bare Münze nimmt. Da werden Huldigungen und Lobpreisungen mit der großen Kelle ausgeteilt, man könnte fast meinen, es wäre Wahlkampf. Ist ja auch, aber der findet hier nicht so recht in der Öffentlichkeit statt – der wird zeitgemäß via Twitter, Facebook etc. geführt und nur in Ausnahmefällen (z.B. bei besonders tiefen geistigen Tiefflügen) dem gemeinen Pöbel per Zeitung mitgeteilt.
Was ich meine, ist die Berichterstattung zur totalen Rettung der Riesaer Kulturszene in Gestalt des (Achtung: Satire Eigenwerbung) “Clubs N° 1″ in Riesa. Allein dieser Slogan ist ja schon der Hammer, wenn’s nur den einen Club in Riesa gibt, ist der nunmal Nummer 1, oder? Naja, egal. Sage und schreibe 4(!) mal tauchten seit dem Relaunch am 17.07. mehr oder weniger interessante Beiträge einer Lokaljournalistin in der SZ (nicht Süddeutsche, wäre ja noch schöner…) auf, von denen man blöderweise fast glauben muß, hier wäre Geld geflossen… Mensch Julia, haben Sie’s so nötig?
Aber der Reihe nach.
Liebend gern wären wir an besagtem Tag X selbst im R1 gewesen, aber wir waren leider sowas von verhindert, daß wir unsere rasende Reporterin Janine baten, sich inkognito unter Riesas Prominenz zu begeben und uns aus der Sicht des gemeinen Fußvolkes einen kleinen Bericht zu verfassen, welchen wir Euch natürlich nicht vorenthalten wollen.
Janine:
Laut Werbung sollte es 22 Uhr los gehen, da aber die Dreharbeiten oder andere Vorbereitungen bis dahin nicht fertig waren wurde der Einlass um etwas über eine halbe Stunde verschoben. Zum Trost wurde für die wartenden Gäste ein Glas Sekt bereit gestellt. Am Einlass durften wir uns alle brav in eine Reihe stellen und schön vor der Kamera applaudieren.
Wenn ich gewusst hätte, was mich drin erwartet hätte ich mit großer Sicherheit nicht geklatscht. Nach der ganzen Show ging es dann rein und da kam gleich der nächste Schock, Eintritt 6 Euro, was ja nicht das Problem wäre, nur wusste es keiner, weder im Internet noch auf irgendwelchen Plakaten war der Preis angeben zumal bei den letzten Partys Frauen zum Beispiel nichts bezahlen mussten und somit einige Gäste, mich einbezogen, dachten der Eintritt wär frei.
Restgeld hatte die nette Dame am Eingang auch zu wenig und konnte einigen Gästen nicht vollständig rausgeben. Wir sollten uns das fehlende Restgeld später abholen, haben wir natürlich, aber Hallo, wo gibt’s das denn???
Eine besondere Veränderung in der Lounge gab es nicht, außer daß die Getränkekarten überarbeitet wurden. Die Musik war so laut wie immer (Lounge ?!?), auf Getränke musste man ebenfalls wieder sehr, sehr, sehr lange warten, was wie schon oft festgestellt daran liegt, das es nur eine Bar und eine Kasse gibt. Zur Info: das Haus war vielleicht zur Hälfte gefüllt.
Julia (SZ vom Montag, 19.07.2010)
So voll wie am Sonnabend war es in der Dancelounge R1 im Riesaer Riesenhügel noch nie. Rund 500 Gäste kamen zur großen Party, zu der zahlreiche Stars und Sternchen erschienen.…
Mehrere Wochen prüfte und optimierte der Barprofi Sem Köksal das Konzept des Lokals, begleitet vom Pro7-Fernsehteam, das alles aufzeichnete und in fünf Folgen dokumentieren wird. Das Personal wurde zur Bar-Schulung geschickt, im R1 eine VIP-Lounge gebaut und ordentlich die Werbetrommel gerührt.
Anm. der Redaktion: Liebe Julia, für 500 Gäste ist der Laden nicht mal zugelassen…
Janine:
Gefehlt hat meiner Meinung nach eine Ansprache an die Gäste von den Betreibern bzw. von dem Macher Retter, er hätte sich ja gern mal vorstellen können. Die sogenannten Stargäste wurden weder angekündigt noch haben sie irgendwas Besonderes dargestellt.
Die 3 Missen haben ich und auch viele andere nicht gesehen bzw. weiß niemand wer welche war. Warum die da waren weiß keiner. Ich dachte ja, Marc Terenzi singt vielleicht auch mal 3 Lieder, aber nix wars, irgendwann vielleicht gegen 00:30 betrat er den Saal und das war es dann, man durfte Fotos mit dem Guten machen, aber sonst war er einfach nur da, hat getrunken, getanzt und was Nettes in die Kamera gelabbert. Hallo was soll das denn?
Sollten wir uns nun freuen, dieselbe Luft wie dieser Möchtegern-Promi atmen zu dürfen oder was? Der Mann ist Sänger von Beruf, ob er nun gut ist oder nicht, sei ja mal dahin gestellt, aber das ist sein Job. Doch er war einfach nur da und auch dafür bekommt man heutzutage Geld. Wenn ich es mir recht überlege, hätte ich gern mein Geld zurück bekommen bzw. hätte ich auch Geld verlangen sollen, mir diesen Mist anzutun.
Julia, SZ vom 19.07.2010:
So sorgte die Anwesenheit des US-amerikanischen Sänger Marc Terenzi bei einigen Damen für Kreischanfälle, sie zückten ihre Handykameras und Mutige sprachen ihn an und ließen sich mit ihm fotografieren – vorausgesetzt sie kamen durch die Menschentraube, die sich um den Sänger versammelt hatte. Auch nach gefühlten 1000 Blitzlichtern lächelte Marc Terenzi noch freundlich in die Kameras.Das lag vielleicht auch an den hübschen Missen, die ihn den Abend im neuen VIP-Bereich des R1 versüßten. Neben der Miss Deutschland 2009 Doris Schmidts waren auch Miss Niedersachsen und Miss Vize-Norddeutschland zur Wiedereröffnungsparty im R1…
Julia, SZ vom 24.07.2010:
Während die jungen Gäste zur Wiedereröffnungsparty der Dancelounge R1 vor dem abgetrennten VIP-Bereich dem Sarah-Connor-Ex zuschmachteten, wurde Gerti Töpfer in den VIP-Bereich eingeladen. Das Objekt der Begierde vor Augen schlängelte sie sich durch die Massen bis zu Marc Terenzi vor. Der stellte sein Champagnerglas ab und lauschte, wen er da gerade vorgestellt bekam. „Aha, the Mayor of Riesa…“.Und dann setzte er sein charmantes Kameralächeln auf – Gerti Töpfer auch. Blitzlichtgewitter. Das Fan-Foto war im Kasten.
Leider litt der kleine schwarze Fotoapparat von Gerti Töpfer, den sie seit einiger Zeit ständig bei sich trägt, um ihre Facebook-Einträge zu bebildern. Der plumpste ihr nämlich im Gedränge um Marc Terenzi auf den Boden. Vielleicht auch vor Aufregung, man weiß es nicht.
Jetzt ist er kaputt, also der Fotoapparat, und Gerti Töpfer muss sich einen neuen zulegen.
Anm. der Redaktion: DAS ist eigentlich mehr als nur fünf Zeilen wert, Gerti & Marc in Love, und dann noch der Fotoapparat, warum nicht als Aufmacher? Beispiel: Gerti Töpfer: Kleiner Schwarzer kaputt!
Janine:
Man soll eben nicht alles glauben, was man so im Fernsehen sieht. Bin ja auf die Ausstrahlung gespannt, da klingt bestimmt alles Klasse und super aber wir wissen es besser. Die Rettung ist kläglich gescheitert, aber das wird Pro 7 wohl herzlich wenig interessieren.
Dem schließen wir uns an, und fügen nicht mehr viel hinzu. Außer den Quellennachweisen:
Die vollständigen Artikel findet Ihr Hier, Hier und Hier, ganz nebenbei gibts noch ein lesenswertes Interview mit dem Retter. Auszug gefällig? Bitte schön:
Wie hat Ihnen Riesa gefallen?
Wenn ich umziehen müsste, ich würde hier her ziehen, ohne Mist. Die Leute sind nett, die Stadt ist übersichtlich – für mich eine Art Ruhepol. Einfach genial. Ich war sogar eine Woche privat hier und fand es toll. Ich komme wieder. So schnell werdet Ihr mich nicht los.
Oh mein Gott…




Anzumerken is aber auch. Der Wodka und zwei weitere Mixgetränke waren schon gegen 23:30 Uhr alle.
Finde ich schon eine reife Leistung, so kann man die Ladenhütter auch unter das Volk bringen.
Eine Frage bleibt. Warum holt man nicht mal einen coolen DJ als VIP (Paul van Dyk, Mark ‘Oh), die hätten einen auch Mal die Hütte einheizen können, nein den Marc Terenzi, dessen beste Tat war es, die Sarah Connor zu schwängern und dadurch die “Sängerin” mal eine Zeit vom Musikmarkt fern zu halten, holt man.
Reife Leistung, geiles Konzept.
Wunderbar, weiter so.
LG Rondo