Samstag:
Die Nacht war kurz aber Gott sei Dank kühl & relativ erholsam, so daß wir (fast) pünktlich und (fast) vollständig zum Tag 2 wieder in Glaubitz einschlagen konnten. Auf unseren Rondo mussten wir diesmal total verzichten, er hat sich bei seinen Erwärmungsübungen am Freitag (siehe HIER) doch ne leichte Hirnerweichung zugezogen, so daß er sich ordnungsgemäß krank melden musste. Auch meine Wenigkeit hatte es nicht ganz mit Termintreue, ich musste schnell noch Ersatz für meinen abhanden gekommenen Babysitter finden.
Kaum auf der Elbbrücke mit allgemeiner Marschrichtung Glaubitz schellte natürlich das Telefon & mein schlechtes Gewissen – aber – kein Anschiss, nö, ganz was anderes:
“Du kannst gleich in Riesa bleiben”, klang es aus derm Hörer, “wir müssen die Lokalmatatore vom Bahnhof abholen”. Hähhh?
Nu ja, nu war ich ja mittlerweile schon fast in Zeithain, so daß doch erst die Anreise zum Festival am Plan stand. Angekommen, schnell n Bier gezischt und mit Marios schwarzem Bus im Konvoi wieder nach Riesa. Natürlich kamen die Herren nicht mit dem Zug, in dem man sie erwartete, nein, man kam aus Richtung Elsterwerda mit’m Bummelzug. Daß sie da schonmal durch Glaubitz durchgefahren sind, schien die Herren so weiter nicht zu stören, also raus dem Bahnhof, frische Luft geschnappt & rein in die Luxuskarosse.
Die Fahrt mit den Typen war ein Erlebnis der Extraklasse, ich werd mich hierzu definitiv nicht weiter auslassen, der Gentleman genießt & schweigt. Wieder in Glaubitz angekommen, die Herren zum Backstage geleitet und erstmal wieder zum Tagesgeschäft übergegangen, soll heißen, ein Bier inne Hand und ab ins Zelt – District hatten noch ein paar Minuten. Nebenbei fiel auf, dass trotz der kühleren Temperaturen der eine oder andere schon kleinere Schwierigkeiten mit der Gravitation bekam, die große Masse hielt sich aber (noch) recht gut auf den Beinen.
Sehr amüsiert durfte ich Marios Ausführungen zum Thema “Ich habe einen Kutscher, fahr schonmal los” vom Vorabend lauschen. Wer mehrfach hintereinander Sätze mit rund 5-6 nicht jugendfreien und ebenso wenig druckreifen Adjektiven vor einem grundsätzlich auspiep-fähigen Substantiv bildet, scheint irgendwie angefressen – Scheiß Kutscher, sag ich da mal…
Richtig positiv überrascht hat mich der Gig von Klasse Kriminale, die Ragazzi hatten zwar leichte Stimmprobleme, aber haben dennoch fett eingeheizt. Noch viel mehr hab ich über die Klingonz gestaunt. Nichts war zu spüren von Herren im mittlerweile gesetzten Alter, nichts zu hören von lahmen bis “mehrigen” Psycho-Surf-was weiß ich, ganz das Gegenteil. Laut, schnell, rotzig, einfach nur geil – auch die Show hatte einen gewissen Unterhaltungswert, wenn man bedenkt, daß die Mainstage nicht zu den größten ihrer Art gehörte.
Als dann aber unsere Mitreisenden die Bühne enterten, begann die große Masse der mittlerweile auch gut angeheiterten Gäste irgendwie ein wenig am Rad zu drehen. Was da vor, auf und neben der Bühne so abging , lässt sich so einfach nicht in Worte fassen. Da standen die Monitore plötzlich n Meter weiter hinten, irgendwelche Leute rollten herum, Stagediving auch ohne Rücksicht auf eigene Verluste – unbeschreibliches Chaos im positiven Sinne.
Die Verrückten aus Mülheim haben den Laden gründlichst aufgemischt & hatten sichtlich Spaß an ihrem 10. Jubiläum auf dem Back to Future.
Folgen sollten jetzt noch The Oppressed, musikalisch gings in eine völlig andere Richtung – der Simmung tat das in keinster Weise Abbruch. Die Waliser mit mittlerweile bestimmt 30 – 40 Jahren Bühnenerfahrung ham der versammelten Jugend mal gezeigt, wo der Bartel den Most holt. Meine Herren… Kleine Episode zum schmunzeln: Auch diesen Vollprofis passierts, daß sie nicht mehr wissen, wann wie welcher Akkord auf der Gitarre gespielt wird. Auf jeden Fall war diese Band ein sehr, sehr würdiger Abschluß für draußen – fein.
Mit diesem Auftritt war der Schlußpunkt auf der Mainstage gesetzt, im Zelt gings mit Gewapend Beton recht heftig weiter, der Drummer bekommt von mir definitiv die Wertung “Best of all”. Da hätte unser Berufsmusiker & Entertainer Kette Kettner sehr, sehr blass ausgesehn. Auch mit Spaß an der Musik.
Von Evil Devil und den Stage Bottles hab ich dann nicht mehr allzuviel bis nichts mitbekommen – war halt auch ein wenig fertig mit mir und meiner Umwelt (sorry), aber ein Fazit hab ich noch:
Dieses Festival wieder nach Glaubitz zu holen, war die beste Entscheidung, die getroffen werden konnte. Es war einfach nur geil und unser Dank gilt all denen, die hier in irgendeiner Form zum Gelingen beigetragen haben, ganz besonders natürlich Holm, Tilo, Daniel & René – weiter so & auf ein Neues…




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